Donnerstag, 16. Juni 2011

Lorraine und Loire

Loire Abend

"Wie Gott in Frankreich" ist für jeden, der die Schlösser an der Loire besucht, kein leeres Wort. Zumindest haben die "von Gottes Gnaden" Könige von Frankreich einiges dafür getan, ihren Chef im Falle eines persönlichen Besuchs angemessen unterzubringen.
Alle anderen Schlossherren hatten wiederum dafür zu sorgen, dass der König Kost und Logis in königlichem Stil vorfand, wenn er samt Hofstaat vorbeischaute. Dankbar vermerken wir, dass unser Komfort bescheidener, dafür aber gesünder ist.
Das beste: der Himmel segnet unsere Reise mit dem schönsten Wetter, einem sommerlichen Mai und einem erträglichen Maß an internationalem Tourismus.
Während über die Existenz Gottes weiter gestritten wird, spricht doch vieles für einen Aufenthalt in unserer Nähe: erst in der Lorraine, wo wir eine Festung vorfanden, die von den Kriegen vergessen wurde, dann zwischen Orleans und Tours, wo sich kein Mensch mehr vorstellen kann, wie sich hier vor 70 Jahren Europäer mit amerikanischer Unterstützung gegenseitig umbrachten, weil Millionen Deutsche gern allen anderen zeigen wollten, wo's langgeht. Das schaffen sie heute nicht mal mehr beim Flaschenpfand.
Gott sei Dank.

Freitag, 10. Juni 2011

Erfüllung (Fassung von 1986)

 

Du schöne Einsamkeit

Du stille Stunde

Du ungelebter Sturm

Du unempfangene Wunde

Du fliederduftende Erinnerung

Du ungeteiltes Sehnen

Du Flug im Traum

Du unbedachtes Spiel

Kein Maß hat solches Glück

Kein Planen und kein Ziel.

Traum ist was bleibt

Nur Unerfülltes währt

Die Blüte stirbt

Der Wind bleibt in den Wäldern

Die Straßen stürzen in Vergangenheit

Das Morgen hüllt sich in den Trauerflor

Der Mann gewinnt nicht, was das Kind verlor.

Donnerstag, 9. Juni 2011

Medienglocke

Wie’s die Arbeit am “Raketenschirm” mit sich bringt, tauchen Tagebuchnotizen und Gedichte aus jener Zeit auf, da an Publikation nicht zu denken war. Dem folgenden eignet ein Hauch Aktualität …
(24.3.1986)

Die große Medienglocke dröhnt

feilgeil, geilfeil, feilgeil, geilfeil

unsere Münder stumm aufzu

kein Laut gegens Gedröhn

die Bewegung selbst schon im Rhythmus

in uns der leise Zynismus

subkutane Ideologie: gib zu deine Ohnmacht

Beweis deines Unrechts

du bist allein.

Millionen Fliegen steigen auf gesättigt

matt Scheiben glänzen Augurengesichter

die Glocke tönt besinnungslos

tonlos der Schrei der Vernunft.